Kreislaufwirtschaft als Treiber der Sustainable Development Goals

Wie das Europäische Kreislaufwirtschaftspaket nachhaltiges Produktions- und Konsumverhalten fördert und fordert

Im Jahr 2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs). Dabei handelt es sich um 17 Ziele, die auf mehr als 150 spezifischen Unterzielen beruhen. Die SDGs befassen sich mit den Auswirkungen unseres globalen wirtschaftlichen Wandels und verfolgen dabei einen umfangreichen Multi-Stakeholder-Ansatz.

Kreislaufwirtschaft trifft SDG#12

Befasst man sich mit dem Thema Kreislaufwirtschaft sticht ein Ziel heraus: Das SDG#12: „Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen“ beschäftigt sich mit der Überwindung des Dogma „Produzierens, Konsumierens und Wegwerfens“, welches seit der industriellen Revolution gelebt wird, und stellt einen positiver Wandel für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt in den Mittelpunkt des Handelns.

Verschiedene Untersuchungen, u.a. von der Ellen MacArthur Foundation, belegen, dass Kreislaufwirtschaft viel zu dieser Agenda des SDG#12 beitragen kann: Die Umsetzung des Kreislauf-Modells in Europa könnte bis 2030 einen jährlichen Nettonutzen von 1,8 Billionen EUR erzielen. Des Weiteren hätte die Kreislaufwirtschaft in den Bereichen Mobilität, Infrastruktur und Ernährung das Potential die CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zum heutigen Niveau zu halbieren. Vor allem in der Landwirtschaft könnten durch die Optimierung von Nährstoffkreisläufen weitere Ziele der SDGs unterstützt werden wie der Erhalt der Artenvielfalt, die Einschränkung des Wasserverbrauchs und der Nährstoffversorgung. So könnten landwirtschaftliche Abfall- und Nebenprodukte genutzt werden, um Energie zu produzieren und den Verbrauch an chemischen Düngemitteln zu senken.

EU Aktionsplan in Kraft getreten

Die EU-Kommission verabschiedete 2015 das Kreislaufwirtschaftspaket, welches einen Meilenstein im Bereich der Umwelt- und Wirtschaftspolitik darstellt. Durch die möglichst lange Nutzung von Produkten und Ressourcen soll Abfall vermieden und durch konsequentes Recycling der Ressourcenverbrauch eingeschränkt werden. Neben Gesetzesvorschlägen für den Abfallbereich enthält das Kreislaufwirtschaftspaket auch einen umfangreichen Aktionsplan.

Im Aktionsplan finden sich 54 Maßnahmen für die schnelle Etablierung zirkulärer Systeme, die Steigerung der globalen Wettbewerbsfähigkeit sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen und nachhaltigem Wirtschaftswachstum. Der Aktionsplan fokussiert sich dabei auf fünf wesentliche Sektoren: Kunststoffe, Lebensmittelabfälle, Biomasse und biobasierte Materialien, kritische Rohstoffe sowie Bau- und Abbruch.

Schlüsselmaßnahmen des Aktionsplans

Neben der Förderung von Innovationen und Investitionen mit mehr als 650 Mio. EUR im Rahmen des Forschungsprogramms „Horizont 2020“ und 5,5 Mrd. EUR im Rahmen der EU-Strukturfonds, sollen auch Qualitätsstandards für Sekundärrohstoffe entwickelt werden, um einen größeren Markt für diese zu schaffen. Hierfür plant die EU u.a. eine Überarbeitung der EU-Düngemittelverordnung zur leichteren Anerkennung von organischen und aus Abfällen hergestellten Düngemitteln. Auch an der Erleichterung der Wiederverwendung von (Ab)wasser wird gearbeitet. Weiters wird das Ökodesign von Produkten im Sinne der Reparaturfähigkeit, Haltbarkeit und Recyclingfähigkeit gefördert. Neben der nachhaltigeren Nutzung natürlicher Ressourcen (SDG 12.2.) sowie der deutlichen Verringerung des Abfallaufkommens (SDG 12.5.), soll auch der umweltverträgliche Umgang mit Chemikalien und allen Abfällen während ihres gesamten Lebenszyklus (SDG 12.4) erreicht werden. Durch höhere Recyclingquoten und die Verringerung der Deponierung kann Abfall reduziert werden und die Freisetzung von Chemikalien in Luft, Wasser und Boden zum Schutz von Mensch und Umwelt erheblich verringert werden. Zusätzlich beabsichtigt die Europäische Kommission mit der im Aktionsplan genannten Kunststoff-Strategie die Verschmutzung der Meere deutlich zu reduzieren. Auch das SDG 12.3., die Verringerung von Lebensmittelverschwendung, wird im Kreislaufwirtschaftspaket adressiert. So sollen die Maßnahmen im Aktionsplan sowie die Entwicklung einer gemeinsamen Messmethodik Lebensmittelverschwendung um die Hälfte bis 2030 reduzieren.

Es muss noch viel mehr getan werden!

Auch wenn das Kreislaufwirtschaftspaket einen wesentlichen Teil zur Erreichung des SDG12 beitragen kann, wird es für die Zielerreichung entscheidend sein über die Themen Abfallwirtschaft und Recycling hinauszugehen und eine längere Produktnutzung, z.B. durch neue Geschäftsmodelle, zu etablieren. Es reicht nicht aus Ressourcen effizienter zu nutzen, sondern wir müssen unseren gesamten Konsum reduzieren und intelligenter organisieren. Dafür braucht es von der EU klare und messbare Ziele für eine absolute Reduktion des gesamten Rohstoffverbrauchs in der Wirtschaft. Eine ökologische Steuerreform wäre dabei eines der effektivsten politischen Instrumente. Doch die EU ist in globale Wertschöpfungsketten eingebettet, weshalb ihr Handlungsspielraum ohne internationale Standards für die Haltbarkeit, Wiederverwendbarkeit und Wiederverwertbarkeit von Produkten sehr begrenzt ist. Dennoch sollte die EU ihre Vorreiterrolle wahrnehmen und die Kreislaufwirtschaft noch stärker als bisher zu forcieren, um eine lebenswerte Zukunft, in der Mensch und Natur in Harmonie leben, zu gestalten.

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Trendwende bei Plastik

Herausforderungen und neue Strategien für Unternehmen

Die Problematik des Plastikmülls in der EU

Plastik begleitet uns in vielen Lebensbereichen. Während Kunststoffe in der Medizin wichtige Funktionen erfüllen, verkommen sie im Alltag oft zum Wegwerfprodukt mit kurzer Lebensdauer. Allein in Europa fallen rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr an. Nur 30% dieses Mülls werden zur Wiederverwertung gesammelt. Dabei benötigt Plastik, das achtlos in der Natur landet, bis zu 400 Jahre bis zur vollständigen Zersetzung. Eine Reduktion des Plastikaufkommens und höhere Recycling-Quoten sind dringend notwendig, um diese enorme Ressourcenverschwendung und Umweltverschmutzung einzudämmen. Unternehmen, Konsumenten und die Politik müssen sich um eine Vorbildwirkung in der Müllvermeidung, der qualitativ hochwertigen Verwertung sowie der Etablierung von Mehrwegsystemen, bemühen.

Politische Entwicklungen zur Bekämpfung des Müllproblems

Die EU Kommission plant aktuell ein Verbot von Einwegprodukten aus Kunststoff wie beispielsweise Strohhalmen, Einwegbesteck, Einwegtellern oder Wattestäbchen. Sowohl NGOs wie der WWF als auch Wirtschaftsvertreter begrüßen das Vorhaben. Denn in Fällen wo Plastik keine essentielle Funktion erfüllt oder Alternativen verfügbar sind, ist ein Verbot durchaus sinnvoll.

Um das Müllproblem erfolgreich zu bekämpfen, stellt auch die Kreislaufwirtschaft einen enormen Hebel dar. Die EU setzt hier mit dem Circular Economy Package, welches konkrete Recycling Ziele und maximale Deponierungsquoten für Abfälle vorschreibt, einen wichtigen Impuls. Um diese Ziele zu erreichen müssen Unternehmen im Austausch mit Entsorgungsbetrieben Produkte entwickeln, deren Design die Wiederverwertung von vornherein berücksichtigt. Diese Produkte sollten möglichst langlebig, reparierbar und zu 100 % im Kreislauf führbar sein.

Mögliche Lösungsansätze für Unternehmen

Innovative Geschäftsmodelle und technische Innovationen stellen wichtige Stellschrauben für eine effizientere und vor allem effektivere Ressourcennutzung dar und sind damit wesentliche Treiber der Kreislaufwirtschaft. Ziel muss es sein, ressourcenschonender zu produzieren – von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung, die Gestaltung der Produkte, den Handel und Konsum bis zur Wiederverwendung oder Entsorgung. Außerdem müssen Unternehmen mehr Verantwortung für das Lebensende ihrer Produkte übernehmen – also beispielsweise, wie es leider in vielen Ländern noch nicht der Fall ist, Sammlung, Sortierung und Recycling von Verpackungsabfällen mit finanzieren.

Viele Unternehmen begrüßen das Vorgehen gegen das Plastikproblem und arbeiten schon jetzt an Lösungen zur 100% Verwendung von wiederverwendbaren, recyclebaren oder kompostierbaren Verpackungen. Jedoch ist auch Skepsis am Plan der EU-Kommission angebracht. Denn auch wenn das Plastik-Verbot ein wichtiges politisches Signal ist, muss sichergestellt werden, dass nachhaltigere Alternativen gefunden werden und nicht alle aus Rohöl hergestellten Einwegprodukte durch solche aus Biokunststoffen ersetzt werden. Denn diese werden zwar auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt und sind häufig biologisch abbaubar, jedoch halten sie sich unter Umständen sehr lange in der Natur und verbrauchen in der Produktion durch den Anbau von Nutzpflanzen viele Ressourcen. Daher müssen die eingesetzten nachwachsenden Rohstoffe unbedingt eine zertifizierte Herkunft, wie z.B. Bonsucro (für Zuckerrohr) und FSC (für Holz), vorweisen und idealerweise aus Abfallprodukten bestehen, um die höhere Belastung von Ökosystemen durch Düngemittel zu reduzieren. Ein großes Potenzial haben Biokunststoffe jedoch, wenn sie aufgrund ihrer Materialeigenschaften, wie z.B. der Kompostierbarkeit, neue Segmente erschließen und zu einer umweltverträglicheren Rohstoffproduktion und -verarbeitung beitragen. Obwohl die Kompostierbarkeit in einigen Bereichen vorteilhaft ist, wäre eine Wiederverwertung biologischer Kunststoffe erstrebenswerter. Zukunftsweisend könnte hierfür die Weiterentwicklung von Bio-PET sein, einem Bio-Kunststoff, welcher zu 30% aus nachwachsenden pflanzlichen Rohstoffen statt fossilen hergestellt wird und chemisch identisch zu herkömmlichen PET ist. Die Rohstoffherkunft spielt hier jedoch eine entscheidende Rolle. Idealerweise werden in Zukunft biobasierte Kunststoffe aus agragrischen Reststoffen und Nebenprodukten hergestellt. Eine solche Lösung wäre beim 100% recyclierbaren Biokunststoff Polyethylenfuranoat (PEF) möglich, welcher derzeit entwickelt wird. Zudem hätte der neue Kunststoff bessere Barriereeigenschaften als PET und könnte dadurch einen besseren Produktschutz gewährleisten.

Das wichtigste Ziel sollte allerdings sein den Ressourceneinsatz zu reduzieren und Abfall zu vermeiden. Mehrwegsysteme, insbesondere für Getränkebehälter, sollten ebenfalls forciert werden. Es gilt die absolute Zahl an Einweg-Artikeln stark zu reduzieren und für die Produktion Recyclingmaterialien wie z.B. recycelte Kunststoffe einzusetzen!

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